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Angst am Abgrund

Amalfi-Krimi mit Rezepten

Jao Baptistas zweiter Fall führt den Kommissar von Europol an die italienische Amalfi-Küste, wo der millionenschwere britische Investor David Jefferson mit einer Kugel im Kopf und grausam verstümmelt aufgefunden wird. Baptista, der sich in der steilen abweisenden Felslandschaft äußerst unbehaglich fühlt, kämpft mit seiner eigenen psychischen und körperlichen Gesundheit, während er versucht, die letzten Wochen des exzentrischen Jefferson nachzuvollziehen. Dieser hatte offenbar ein Verfahren entwickelt, bei dem in den traditionellen Papiermühlen Amalfis neuartige Beschichtungen für eine revolutionäre Batterietechnologie erzeugt werden. Je näher Baptista der Lösung kommt, desto mehr bringt er sich selbst in tödliche Gefahr ...


Leseprobe:

Schon nach der ersten Haarnadelkurve war ihm schlecht. Jao Baptista wurde von einem amalfitanischen Polizisten namens Gianluca Festevola am Flughafen in Neapel abgeholt. Festevola blickte mit seinen dunkelbraunen Augen, die durch eine riesige dünne Nase getrennt waren und bei der man das Gefühl hatte, sie könnte die Sonne verdecken, unruhig zum Ausgang des Terminals. Da Gianlucas Cousine in den Wehen lag, übersprang der Italiener das übliche Espressotrinken sowie andere Höflichkeiten und stieg mit seinen schlaksigen langen Beinen rasch in den Fiat Punto ein, noch während Baptista sein schweres Gepäck in den Kofferraum packte.
Sobald die Türen geschlossen waren, fuhr er zügig vom Flughafen in Richtung der Bergstraße, die über Agerola und Furore nach Amalfi führte. Baptista konnte recht gut Italienisch sprechen, da er als Kind und Jugendlicher mit seinen Eltern in Europa mehrfach umziehen musste und dabei einige Jahre in Italien verbracht hatte. Aber die Worte schienen ihm alle entfallen zu sein, als Festevola mit immer höherer Geschwindigkeit fuhr. Für einen Ortsunkundigen war die Straße durch das Gebirge unübersichtlich. Man konnte den entgegenkommenden Verkehr nur ahnen, nicht sehen. Darüber hinaus schien es in den Kurven so eng zu sein, dass selbst zwei Kleinwagen kaum aneinander vorbeikommen dürften. Doch Gianluca Festevola fuhr auf dieser Straße, als gäbe es solche Einschränkungen einfach nicht.
Für einen Moment schloss Baptista seine Augen und hoffte dadurch, keine weiteren Panikanfälle bei heranrasenden Reisebussen zu bekommen, aber das machte alles nur noch schlimmer. Nach rund vierzig Minuten kamen sie am Stadtrand von Amalfi an, parkten vor einem der Palazzi und Festevola sprang eine Treppe in das erste Stockwerk hinauf. Baptista öffnete dagegen scheinbar in Zeitlupe die Beifahrertür, hievte seinen unbeweglichen und zu dicken Körper aus dem kleinen Wagen und musste sich sofort übergeben, weil ihm die Autofahrt auf den Magen geschlagen war. Schnaufend stand er einige Minuten da und atmete einfach nur. Dann säuberte er sich den Mund mit einem Taschentuch.
Eigentlich wollte er seinen Kollegen alles Mögliche gefragt haben, aber die Höllenfahrt hatte jedes Gespräch verhindert.
Immerhin ging es um einen bestialischen Mord an einem reichen Engländer. Der Mord war so bestialisch und der Engländer so reich, dass Baptista überlegte, ob er der richtige Ermittler für diesen Fall war. Aber sein Chef war in diesem Punkt unmissverständlich deutlich gewesen.
Da die Spuren der Ermittlung quer durch Europa führten, wurde der Fall an die Sonderkommission der Europol weitergeleitet, für die Baptista arbeitete. Sofern sich in einem Kriminalfall die lokalen oder Landesbehörden nicht zuständig fühlten oder aus anderen Gründen nicht ermitteln konnten, wurde Baptistas Sonderkommission mit den Ermittlungen beauftragt. So kam es, dass Baptista sich im Spätsommer an der Amalfiküste wiederfand, die sich von Neapel nach Salerno zog und in deren Mitte sich das Städtchen Amalfi befand. Die kleine Stadt lag in einem engen Tal. An beiden Seiten strebten Berge steil in den Himmel. Die Stadt zog sich bis hinunter zum Meer und ergoss sich dort in einen Hafen, an dem viele Yachten Zwischenstation machten, wenn die Hautevolee der ganzen Welt von Positano oder Capri aus ihre Ausflüge startete.
In der Mitte des Tals verlief eine Straße, an deren beiden Seiten sich in unerträglicher Enge ein Wirrwarr an Häusern die Berge hochzog. Ohrenbetäubender Lärm hupender Autos und überlauter Reisegruppen, es war faszinierend und abstoßend zugleich. Nur wenige Meter davon entfernt stand Baptista über einem Abwasserkanal und versuchte sich an die Situation zu gewöhnen. Eigentlich badete er in Selbstmitleid. Ein herzzerreißen der Schrei gellte durch die schmalen Gassen und weckte Baptista aus seinem Zustand. Kurz darauf folgte ein kleiner, nicht minder bewegender Schrei. Das Baby war geboren. Eine Hausgeburt, bemerkte Baptista überrascht mit nun etwas klarerem Kopf.


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978-3-941895-22-5, Mord und Nachschlag 10, Klappenbroschur, 174 Seiten, auch als E-Book in allen gängigen Formaten erhältlich für 5,99 EUR!
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