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Partisanen der Schönheit

Eine Sammlung literarischer Texte und Essays von einem der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren.

Matthias Altenburg nimmt Abschied von den Grünen und den Flaneuren, betrauert und belächelt Punk (der schon sehr lange tot ist), begrüßt den Euro und die neuesten neuen Frauen. Wissend, daß der Frühling ebenso wie Pop nicht nur doof machen, sondern auch dumm. Dabei begegnen ihm u. a. Martin Walser, Helmut Kohl, Ernest Hemingway, Houellebecq, Sybille Berg, Reinhard Mey, Flaubert, Maxim Biller, Christian Kracht und Feridun Zaimoglu. Er gibt ein Interview, stellt seine schwankenden Listen dar zu seinen Lieblingsbüchern, -filmen, -bildern, -gedichten und seiner Lieblingsmusik, berichtet von den Nackten, den Deutschen und uns, schreibt einen Brief an Herrn Seligmann und endet mit einem Kurzen Reigen.

»Wenn Sie jetzt glauben, ich würde mich so für die Moral ins Zeug legen, weil ich ›die Menschen liebe‹, dann täuschen Sie sich. Nein, ich mag sie nicht besonders.
Aber so lange ich gezwungen bin, mich unter ihnen aufzuhalten, bin ich lieber von entspannten, freundlichen, klugen und halbwegs anständigen Leuten umgeben als von irren Kleinbürgern, von diesen ewigen deutschdeutschen Kinskis, die schon deshalb unberechenbar sind, weil sie meinen, jenseits von Gut und Böse zu stehen.«


Leseprobe:

Wie immer bekam ich Heimweh, wenn ich die großen Ferien auf dem Dorf bei den Verwandten verbringen mußte. Wie immer hoffte ich vergebens, daß meine Eltern mich vor der Zeit abholen würden. Wie immer passierte nichts.
Was hätte auch passieren sollen, hier in diesem Kaff, wo sich alles, was der Rede wert war, vor langer Zeit ereignet hatte, wo alle Ereignisse längst zu Geschichten geworden waren, die man sich wieder und wieder erzählte, so daß die Kinder bereits die Augen verdrehten, wenn nur der Name des alten Lennart erwähnt wurde, jenes Knechts, der sich im Stall erhängt hatte, oder wenn mein Onkel anhob zu berichten von »damals, im Krieg, als die Polen« undsoweiter. Es passierte nichts, jedenfalls nichts, was ich, das Stadtkind, als Ereignis hätte gelten lassen.
Eines Tages aber kehrte ich von einem Streifzug durch die Wälder zurück und erzählte beim Abendessen, ich hätte auf der Straße zwischen Waldbach und Micheldorf eine fremde Frau in einem langen weißen Kleid und mit einem Sonnenschirm gesehen. Ich hatte nicht geahnt, welche Sensation diese Nachricht bei der Verwandtschaft machen würde, denn nun wollte man wissen, in welche Richtung die Frau denn, wie genau das Kleid, ob es sich um eine Alte oder Junge und ob sie sonst nichts dabei, nicht einmal eine Tasche …
Gleich nach der Mahlzeit ging meine Tante zum Telefon, aber weder die Schwägerin, noch die Freundin der Schwägerin konnten Auskunft über die geheimnisvolle Fremde geben.



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978-3-938568-22-4, Essay 06, 184 Seiten, Klappenbroschur.
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