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Das brennende Meer

Liebe und Krieg, Band 1. Eine schwedische Familiensaga: 1799-1819

1799 verlässt die 13-jährige Johanna nach dem Tod ihres Vaters ihre Familie, um in der Postmeisterei von Grisslehamn als Magd zu arbeiten. Dem aus elenden Verhältnissen stammenden Mädchen eröffnet sich eine bislang unbekannte Welt, neue Möglichkeiten, neue Freundschaften und ihre erste große Liebe. Der junge Soldat Kristoffer ist in Grisslehamn stationiert, ihre gemeinsame Zeit jedoch ist kurz. Draußen in der Welt herrscht Napoleon und Kristoffer muss gegen die Russen auf der anderen Seite des Åländischen Meeres kämpfen. Johanna lernt die Kunst der Telegrafie, die beiden entwickeln eine geheime Sprache, mit der sie sich über das Meer hinweg verständigen können.
Der historische Roman vermittelt ein breites Bild sowohl vom Krieg und der Politik als auch vom schwedischen Alltag während des frühen 19. Jahrhunderts – eine spannende und bewegende Mischung aus Liebesgeschichte und Historie.


Leseprobe:

Der Sturm
 
Sie hatten mit einer steifen Brise aus Norden oder Nordosten gerechnet, aber das war an und für sich nichts Besonderes. Der Wind wehte häufig aus dieser Richtung, und sie segelten dann die ganze Strecke schräg gegen die unruhige See bis hin nach Signilskär. Sie wurden nass und sie mussten Wasser schöpfen, aber das hatten sie schon oft erlebt. Die Post musste ja ihren Bestimmungsort erreichen, raues Wetter durfte dabei kein Hindernis sein. Sturm war ein Grund für eine Verspätung, gewöhnliches Herbstwetter jedoch nicht.
Also machten sie sich auf den Weg, die vier Männer, die die Auslieferung der Post auf die Inseln besorgten; sie kamen aus Byholma am Åländischen Meer, ihr kleines Postboot, die Märla, war sechs Meter lang, hatte Sprietsegel und Fock, es war ein offenes Boot mit breiten Borden aus Kiefernholz, ohne schützendes Deck. Am 14. November 1799 ruderten sie bei Tagesanbruch aus dem Posthafen von Grisslehamn, ganz in der Nähe ihres Heimatdorfs. Am Himmel fanden sich keinerlei beunruhigende Zeichen, es klärte sich auf. Als sie Loskär außerhalb des Hafenbereichs erreicht hatten, hissten sie die Segel.
Sie kamen nur langsam voran, mussten etwas abfallen, der Nordwind hatte auf Nordost gedreht und drehte weiter. Nils Nygren, der Schiffsführer auf dem Boot, sagte zu seinen Kameraden, dass sie, so wie er die Sache einschätze, zwischen zwei Fahrtrouten wählen könnten. Entweder könnten sie gegen den Wind in Richtung Åland segeln und dann kreuzen oder im Windschutz auf der Landseite bis zur Poststation auf Eckerö rudern. Oder sie konnten einige lange Schwenkerhinaus aufs Meer machen, zuerst nach Südosten und dann nach Nordwesten, um dann vom offenen Meer her nach Signilskär und Eckerö zu gelangen.
»Wir gewinnen Zeit, wenn wir aufs Meer hinaussegeln«, sagte einer der Männer im Boot. »Und wir haben das ja schon häufig gemacht«, bestätigte das älteste Besatzungsmitglied.
»Ich glaube, der Wind hat sich gelegt, und die Wolken sehen harmlos aus«, fügte der vierte Mann der Besatzung hinzu.
»Verstehe ich das richtig, wenn ich annehme, dass ihr alle aufs Meer hinauswollt?«, fragte Nils Nygren.
Die Männer nickten; Nils, der am Steuer saß, sagte nichts mehr, weil es nicht nötig war. Er blickte nach hinten, um festzustellen, wo seine Landmarken lagen: der Telegrafenmast auf dem Aussichtsberg oberhalb von Grisslehamn, die Kiefern auf Skatudden, die helle Landzunge von Loskär.
Dann wanderte sein Blick wieder auf das Meer hinaus. Dort gab es nichts, wonach man sich richten konnte, auf lange Sicht hin nicht. Aber er wusste, wo bald Land in Sicht kommen würde, flache graue Inseln, Felsenklippen, die kaum vom Wasser zu unterscheiden waren, dunkle Wolken für jemanden, der sich nicht auskannte, aber sichere Anhaltspunkte für diejenigen, die hier von Kindheit an gesegelt waren.
Nils Nygren war am Meer geboren. Er war Bauer und Fischer, vertraut mit Booten, und er war zuverlässig, war von seinen Nachbarn zum Schiffsführer auf dem Postboot gewählt worden.
Er war sich der Verantwortung bewusst, blieb an den Tagen vor den Seereisen nüchtern, sehr zum Erstaunen vieler Leute. Er beratschlagte gerne mit der Besatzung, fasste jedoch – wenn erforderlich – seine Beschlüsse allein. Auf See konnte immer etwas Unerwartetes eintreffen, und dann galten die Befehle des Schiffsführers.



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