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Von der Kunst, ein Schriftsteller zu sein

Es ist nicht leicht, ein Schriftsteller zu sein! Denn Schreiben ist Arbeit, und den idealen Leser und grenzenlos begeisterten Kritiker findet man sowieso nie. Oder ist es genau umgekehrt? Axel Klingenberg, Braunschweiger Schriftsteller und Literaturdienstleister, gestählt durch dauerhaften Einsatz bei Social-Beat-Veranstaltungen, Poetry Slams und auf Lesebühnen, erläutert auf gallighumorige Art und Weise die Leiden der Literaten, die Alpträume der Autoren und die Stolpersteine der Schriftsteller. Er erzählt von absonderlichen Lesereisen und unbedeutenden Literaturpreisen, vom alltäglichen Gerangel ums Geldverdienen und Auf-die-Kinder-aufpassen. Und schlussendlich auch davon, dass man einfach mal einen guten Film anschauen sollte, statt ein Buch zu lesen oder gar zu schreiben. Dennoch bleibt Klingenberg so warmherzig, dass er keinem angehenden Autor das Schreiben verleidet. Im Gegenteil! Schließlich arbeitet er auch als Dozent für Kreatives Schreiben und Literatur an Schulen, Hochschulen und der Musischen Akademie Braunschweig.

 
 
Vorwort: Warum Berufsverbote doch nicht völlig falsch sein müssen

»Keine Klasse von Menschen urteilt billiger von der
anderen als die Denker von den Denkern und keine
unbilliger als die Literaten von den Literaten.«
  – Georg Christoph Lichtenberg
 

Schriftsteller haben gegenüber anderen Berufsgruppen einen enormen Vorteil: Sie haben einen gewissen Einfluss auf die Darstellung ihrer Person in der Öffentlichkeit, indem sie ihre Biografien selbst schreiben können. Werden diese von anderen Menschen geschrieben, werden es meist Skandalbücher. Einige Schriftsteller machen es sich noch einfacher, indem sie von vornherein nur von sich selbst berichten.
Dieses Buch ist allerdings keine Autobiografie, wenngleich es einige memoirenartige Abschnitte hat. Da ich weiß, dass es neben mir noch einige andere Schriftsteller gibt, schreibe ich aber auch über die. Manchmal lasse ich sie sogar selbst zu Wort kommen.
Mit anderen Worten: Dieses Buch ist eine hybride Mischung aus ganz unterschiedlichen Elementen. Das Thema »Der Schriftsteller im Wandel der Zeiten (unter besonderer Berücksichtigung des Lebens und des Werks von Axel Klingenberg)« bedingt diese Herangehensweise.
Denn so wenig wie es die Bäckereifachverkäuferin oder den Versicherungskaufmann gibt, gibt es den Schriftsteller.
Es existieren nämlich gute und schlechte Autoren, so wie auch gute und schlechte Autoverkäufer. Ein guter Gebrauchtwagenhändler wird Ihnen in Ihrem Heimatort auch nach Abschluss des Kaufvertrages (»Der ist noch gut in Schuss, die paar hunderttausend Kilometer machen dem gar nichts aus. Als der gebaut worden ist, gab es noch deutsche Wertarbeit. Und wenn Sie ihn selbst durch den TÜV bringen, kriegen Sie ihn sogar billiger.«) nicht aus dem Wege zu gehen brauchen. Und ein guter Versicherungskaufmann kann Ihnen auch noch nach Jahren kraftvoll in die Augen blicken.
Machen jedoch Gebrauchtwagenhändler etwas falsch in ihrem Beruf, verhalten sich grob fahrlässig oder gar betrügerisch, kann es sein, dass diese aus dem Verkehr gezogen werden, genau so wie der von Ihnen kürzlich erworbene, leider jedoch grobe Sicherheitsmängel aufweisende Gebrauchtwagen. Mit Schriftstellern kann man das dagegen nicht so einfach machen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst schützen sie davor. Das ist eine gute Sache, die sich bewährt hat und ich bin wirklich der Letzte, der dagegen Einspruch erheben wird, auch wenn ich mir manchmal wünschte, es gäbe die Möglichkeit, Berufsverbote für schlechte Schriftsteller auszusprechen. Damit Sie und ich und die nette alte Dame im Haus nebenan von schlechten Büchern verschont blieben.
Auch einen Schriftsteller-TÜV halte ich für erwägenswert. Ich stelle mir das so vor, dass ein versierter Literaturtechniker den Jahrestextausstoß auf grobe Mängel und Fehler hin abklopft. Er schaut nach, ob Form und Inhalt Rost angesetzt haben, die Wortwahl den neuesten Vorgaben entspricht und der Stil passt, wackelt und Luft hat. Und entspricht die Rechtschreibung eigentlich den DIN-Normen? Bewegt sich die Zeichensetzung noch im Toleranzbereich? Erfüllt die Grammatik die Anforderungen der deutschen Sprache?
»Nee, Meister«, sagt der Prüfer dann, »mit diesem Kram kommen Sie aber nicht durch. Diese Kurzgeschichten müssen Sie noch mal dringend überarbeiten und die Gedichte können Sie gleich gegen neue austauschen, da ist nix mehr zu machen. So lange müssen wir Sie aus dem Verkehr ziehen. Kommen Sie in drei Monaten noch mal wieder, dann dürfen Sie vielleicht wieder was veröffentlichen.«
Doch so ist es leider nicht. Im Schriftstellergewerbe darf man tun und lassen, was man will. Passt es hinten und vorne nicht, bezeichnet man das so Zusammengeschusterte ganz einfach als ein Prosagedicht. Es wird sich schon jemand finden, der »Ahh, wie großartig!!« und »Oh, wie toll!!!« ruft. Wenn Sie niemanden kennen, wenden Sie sich bitte einfach an mich. Ich kann Ihnen Leute empfehlen, die alles gut finden, was irgendwer irgendwann mal geschrieben hat. Die mangelnde Qualität des literarischen Ausstoßes erklärt vielleicht auch, warum manche Autoren unter Pseudonymen schreiben.
Doch dieses Buch beschäftigt sich auch noch mit anderen Fragen: Was ist ein Schriftsteller? Was macht ein Schriftsteller? Was macht ein Schriftsteller außerdem? Kann man das Schreiben lernen? Warum will man eigentlich unbedingt Schriftsteller werden, wenn es doch leichter ist, sein Geld als Versicherungsvertreter zu verdienen?
Fragen über Fragen.
Zeit für ehrliche Antworten.

 



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978-3-938568-96-5, Paperback, 140 Seiten, auch als E-Book in allen gängigen Formaten erhältlich für 2,99 EUR!
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