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Tod den Pavianen

Fußballwahnsinn in Südafrika

Die in Südafrika lebenden und arbeitenden Journalisten Hennicke und Stäcker begleiten seit der Wahl Südafrikas zum Ausrichter der Fußball-WM 2010 die Vorbereitungen zum ersten WM-Turnier auf afrikanischem Boden. Längst hat sich die WM im Bewusstsein der deutschen Fans festgesetzt, und sei es durch den Streit um die lärmende Fußballtröte Vuvuzela. Das Buch erklärt, wo sie herkommt und wer den millionenfachen Krach zu verantworten hat. Auch den Erfinder der schrillen Fanhelme, der Makarapas, haben die Autoren in seinem Township besucht.
Auch sonst bleibt kaum eine Frage unbeantwortet, z. B. das Geheimnis des afrikanischen WM-Rasens oder wie sich Afrikas reichster Stamm, die Bafokeng, sein eigenes WM-Stadion baute – mitten auf dem Dorf. Zum ersten Mal wird die verrückte und beispiellose Geschichte des Fußballs in Südafrika erzählt. Wussten Sie, dass anfangs Rugby und Fußball nicht voneinander zu trennen waren? Dass Mahatma Ghandi zwei Fußballteams in Südafrika besaß und bei der Wahl zum Verbandsfunktionär durchfiel? Dass Fußballer immer wieder die verordnete Rassentrennung – mit teils vier verschiedenen Ligen – überlisteten? Dass die erste gemischte Auswahl Südafrikas Argentinien 5 zu 1 vom Platz fegte? Dass nach dem Bundesliga-Skandal Anfang der 70er Jahre die halbe Mannschaft von Hertha BSC in die südafrikanische Liga wechselte? Oder dass in der harten Männerliga eine Frau pfeift – Südafrikas einzige FIFA-Schiedsrichterin?
Der Titel des Buches bezieht sich übrigens auf das afrikanische Sprichwort »Mit Lärm tötet man den Pavian«, mit dem Südafrikaner gern die Unabkömmlichkeit der Vuvuzela-Tröte in ihren Stadien begründen.


Leseprobe:

Manchmal möchte man einfach unsichtbar sein. Besonders, wenn man einen Geldtransport überfallen will. Der eine Gangster trinkt sich Mut an, der andere schnüffelt euphorisierende Drogen, bevor er auf Raubzug geht. Die Elferbande aus Ekhuruleni im Osten Johannesburgs aber griff auf die Dienste eines Sangomas zurück.
Die Polizei schlug zu, als der Wunderheiler gerade hart daran arbeitete, seine Klienten in Luft aufzulösen. Unsichtbar wollten sie werden und unverwundbar. Aber noch waren die Konturen der Verbrecher gut zu erkennen. Ebenso die Kalaschnikow, vier Pistolen und zwei geklaute Autos, die für den Überfall bereit standen. Die Beamten hatten einen Tipp bekommen und nahmen nach kurzem Feuergefecht die gesamte Bande fest, den Medizinmann gleich mit.
Einmal verhaftete die Polizei an nur einem Tag in Ennerdale, südlich von Johannesburg, und am Ostkap 14 Gangster bei Sangoma-Visiten. Sie hatten ihr Waffenarsenal, diesmal auch Nato-Maschinenpistolen, ordentlich vor der Praxis abgelegt. In beiden Fällen hatten die Kriminellen ihren Job schon erledigt und verlangten nun eine Zaubertinktur – Muti – gegen strafrechtliche Verfolgung. Sie seien regelmäßige Kunden für derlei Reinigungszeremonien, bekannte der Heiler am Ostkap gegenüber der Polizei. Auch bei ihm klickten die Handschellen.
Sangomas, wie die Medizinmänner heißen, oder Inyangas, die noch über ihnen stehen, sind traditionelle Heiler, deren Status oft ins Metaphysische reicht. Sie sind Kräuterhexer, Druiden, Psychotherapeuten, Geistheiler, Wahrsager, Zukunftsdeuter. Acht von zehn Südafrikanern vertrauen zuerst dem Sangoma, nicht dem Arzt.
Warum sollten ausgerechnet Fußballer eine Ausnahme sein? Ein Torwart der Kaizer Chiefs legte stets eine schwarze Tüte hinter dem rechten Pfosten ab. Eines Tages, berichten erschrockene Fans, kroch mitten im Punktspiel eine schwarze Katze aus dem Beutel. Der Zauber war verflogen. Er muss geheim bleiben, sonst wirkt er nicht! Eine Dokumentation enthüllte, wie praktisch alle großen Klubs des Landes der schwarzen Magie anhängen. Mal pinkeln Spieler die Torpfosten an, mal vergraben sie Hühnerknochen im Gras.



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978-3-941895-01-0, Broschur, 421 Seiten inkl. 6 Farbbildseiten. (ehemaliger Preis: 14,- €)
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