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Dramatische Werke - Richard Savage. Werner. Gräfin Esther. Patkul.

Herausgegeben von Susanne Schütz und Claudia Volland

Dramatische Werke
Band 2

Geprägt vom Umbruch der Jahre 1830-1848, besaß der Schriftsteller Gutzkow (1811-1878) stets einen analytischen Blick für zeitgeschichtliche Entwicklungen. Sein Werk, eine enzyklopädische ›Physiologie des 19. Jahrhunderts‹, liegt weitgehend unerschlossen in historischen Ausgaben und Zeitschriften, und eine kommentierte Gesamtausgabe schien bis vor 10 Jahren nicht realisierbar. Dank neuer technischer Möglichkeiten und Editionsmethoden kann dieses Ziel nun angestrebt werden, und damit öffnen sich unbeschrittene Wege in die Sozial-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte von Jahrzehnten, die der Beobachter und engagierte liberale Publizist Gutzkow wie kein anderer registriert, nicht selten auch mitgestaltet hat.


Leseprobe:

Zweite Scene.

Spinola, des Herzogs früherer Erzieher, Vertrauter und Präsident des geheimen Conseils, tritt aufgeregt und erhitzt herein. Die Vorigen (verneigen sich ehrerbietig).

SPINOLA (zu Wertheim): Herr Geheimrath, ich habe einen unangenehmen Auftrag zu erfüllen – (schmerzlich) Se. Durchlaucht glauben, Ihrer fernern Dienste entbehren zu dürfen.

WERTHEIM (betroffen): Entlassen?

SPINOLA (gedrückt und seine Aufregung zu verbergen suchend): Es können Zeiten kommen, Wertheim, wo es gut ist, wenn man für sie ein Capital zurückgelegt hat. – (Ironisch.) Wir haben gegenwärtig so ausgezeichnete Köpfe an unserm Hofe, daß wir uns wol einige für die Tage der Noth aufsparen können. (Ernst.) Sie nehmen den Dank und die Liebe jedes Vaterlandsfreundes in die Zurückgezogenheit mit sich, wo ich an Ihrer Stelle mich mit Seneca, Marc Aurel und meinem innern Bewußtsein trösten würde.

WERTHEIM. Wie kann ich so plötzlich –

SPINOLA: Verlangen Sie keine Aufklärungen! Sie haben einen von Erfahrungen viel zu geschärften Blick, um diese sich selbst geben zu können. (Ihm die Hand reichend.) Hören Sie darum nicht auf, ein guter Bürger zu sein.

WERTHEIM (würdevoll): Ich habe einer Idee gedient, keiner Person. Verlassen Sie sich darauf! (Ab.)

SPINOLA (verächtlich zu Graf Thurn): Ihnen kann ich eine angenehmere Nachricht bringen. Ihr Schwiegervater, Banquier von Israel, wird die Lieferungen für die Armee behalten. Sagen Sie ihm, das Land erwarte dafür von ihm, daß er bessere Goldmünzen schlägt als die er bisher in die Staatskasse lieferte. Auch Münzen müssen doch erst geboren werden, ehe man sie schon beschneidet.

THURN: Excellenz –

SPINOLA (abweisend): Man speist sehr gut bei Ihrem Schwiegervater – keine Frage! (Thurn ab.) Auch Ihnen, Kammerherr, kann ich sagen, daß Sie recht der Liebling Sr. Durchlaucht sind. Die gegen Sie erhobene Untersuchung wegen der Tafelgelder ist niedergeschlagen. Der Fürst erwartet Sie, um Ihnen Aufträge zu geben. Doch kaufen Sie wol für die herzogliche Tafel ein wenig billiger ein als bisher? Ich habe ausgerechnet, daß die Schnepfe auf dem Markt, wo Sie einzukaufen pflegen, zwanzig Thaler, und ein Hase so viel kostet, wie ein junges Füllen. Nach Ihren Rechnungen zu schließen, möchte man glauben, Sie kauften für die herzogliche Tafel die Seefische auf den Gletschern und die Orangen in Grönland.

PFEIL: Excellenz –

SPINOLA (abweisend): Bessern Sie sich! (Pfeil ab.)





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978-3-938568-63-7, Leinenband mit Schutzumschlag + CD-ROM, 360 Seiten.
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